Zuhören und gehört werden im Dialogkreis: "Total cool"

Azubiwerkstatt bei GAD mit Film, Workshop und Diskussion: Zukunftsimpulse für 50 junge Menschen aus regionalen Unternehmen

Zuhören und gehört werden im Dialogkreis: "Total cool"

Insgesamt rund 50 Azubis erarbeiten bei GAD neue Formen unternehmerischen Denkens

Im Oktober 2017 war Start, im Juli 2018 ist Finale der zweiten Staffel der AzubiWerkstätten unter Federführung der Zukunftsinitiative Altmühlfranken. Je einmal pro Monat richten seit vergangenen Herbst in der Region ansässige Unternehmen die Fort- und Weiterbildung für Auszubildende aus. Jeden Monat steht ein anderes Thema auf dem Programm. Zum Azubiseminar „Der Weg zum selbständigen und selbstdenkenden Mitarbeiter“ hatte sich GUTMANN ALUMINIUM DRAHT (GAD) als Ausrichter angeboten.

 

"Die Zimbel erspar' ich Euch"

Michael Wolf, Prozessmediator bei GAD und Werner Götz, bei GAD u. a. für Auszubildende zuständig, führten und moderierten das Seminar. Der für GAD-Entscheidungen und Findungsprozesse so typische Dialogkreis rahmte die aktiven Seminarparts ein, mit Vorstellungsrunde zu Beginn und Reflexionsrunde am Ende des Seminars. Immer unter Berücksichtigung der Grundregeln: aufmerksames Zuhören auf das, was der jeweils Redende sagt, des nicht Unterbrechens (wann komm‘ ich endlich dran?) und des erst dann selbst Redens, wenn derjenige, der gerade spricht, auch wirklich mit seinem Beitrag zu Ende ist.

Damit diese Regeln eingehalten werden, dient ein Stein, der in der Mitte des Kreises liegt, der Selbstdisziplin. Wer spricht, hat den Stein in der Hand, legt ihn am Ende seines Redebeitrags zurück und erst derjenige ist als Nächster mit Reden dran, der sich den Stein aus der Mitte holt. Um den Neulingen diese Art von Diskussionskultur nicht noch befremdlicher zu gestalten, lockerte Michael Wolf die Sache auf: "Die Zimbel erspar' ich Euch", warf er in die Runde ein und wurde mit amüsierten Lachern belohnt. In der GAD-Gesprächskultur dient das Läuten mit der Zimbel dazu, zu ausführlich Redende zu stoppen; der sog. Achtgeber, salopper ausgedrückt Moderator einer solchen Runde, übernimmt diese disziplinarische Rolle. Auch ohne Achtgeber: So miteinander im Kreis zu reden, war für die Azubis schon eine echte Herausforderung. Von "irgendwie total fremd" bis "echt cool" dehnten sich die Kommentare.

Da "glühten" die Gehirnwindungen

Zwischen Eröffnungs- und Abschlussrunde hieß es Nachdenken für die Azubis. In je fünf Gruppen diskutierten die jeweiligen Teilnehmenden für je zehn Minuten eine von fünf Fragen zum Seminarthema, nach diesen zehn Minuten widmete sich jede Gruppe der nächsten Frage, bis jede Gruppe alle fünf Fragen bearbeitet hatte.

  • Was sind Vor- und Nachteile selbständiger Mitarbeiter?
  • Mit welchen Herausforderungen müssen solche Mitarbeiter zurechtkommen?
  • Welche Firmenkultur braucht es für diese Selbständigkeit?
  • Wie gehen Verantwortung und größere Freiheit des einzelnen Mitarbeiters zusammen?
  • Wie können Aufstiegschancen in einem solchen Unternehmen aussehen?

Immer wieder aufbrandende Fragen, "wie kann so eine Unternehmenskultur denn gelingen? Ich kann mir das gar nicht vorstellen", beantworteten Wolf und Götz u. a. damit, dass GAD rund fünf Jahre Vorbereitungszeit hatte, mit intensiven Teamworkshops, Wertearbeit etc., bevor im Frühsommer 2015 der definitive Kulturwandel Platz griff. Und "fertig" im Sinne von, jetzt brauchen wir an unserer Kultur nicht mehr zu arbeiten, ist eine lernende Organisation nie. Das wäre eine Widerspruch in sich.

Zur Illustration, wie konkret autonomes Arbeiten aussieht, dienten den Azubis Ausschnitte aus dem heute nur noch als Mitschnitt erhältlichen ARTE-Film "Mein wunderbarer Arbeitsplatz". Den von etlichen Azubis herbeigesehnten Gang durch die Produktion ("wir würden uns gern mit den Leuten unterhalten") konnten die zwei Seminarleiter Götz und Wolf nicht möglich machen: 25 junge Menschen an zwei Tagen durch die Produktion laufen zu lassen, erklärt Azubi-Zuständiger Werner Götz, mit allen Sicherheitsvorkehrungen, die beachtet werden müssen, das ist selbst in einem Unternehmen mit sehr autonom arbeitenden Mitarbeitern nicht möglich. Da stehen Transparenz und Wirtschaftlichkeit gegeneinander. Um dann wenigstens noch etwas handwerkliches Arbeitsfeeling zu ermöglichen, übten sich die Azubis im Seminarraum in Verformbarkeit von Aluminiumdraht.

Wie kann eine Kultur gelingen, in der Menschen gerne arbeiten?

Was haben die jungen Menschen mitgenommen? Ein so komplexes Thema wie die lernende Organisation mit allen ihren Facetten, die in der GAD-Unternehmensdokumentation "Ein Unternehmen erfindet sich neu" aufgefächert werden, an einem Vormittag zu begreifen – das ist schlechterdings nicht möglich. Ganz sicher aber ist ein Nachdenken erreicht worden darüber, wie eine Kultur des miteinander Arbeitens aussehen kann, in der Menschen gerne arbeiten. Eine Kultur, in der Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung anerkannt sind, in der Respekt vor dem Kollegen dazugehört und der Mut, für seine Ideen einzustehen. "Natürlich", sagt Werner Götz, "steht für die Azubis, die hier waren, jetzt erstmal der Abschluss ihrer Ausbildung im Vordergrund". Aber der Ausbildungsleiter ist sich ziemlich sicher, dass die jungen Leute untereinander, in ihren Altersgruppen, sich über ihre Eindrücke unterhalten. "Wenn dann später mal der eine oder der andere, wenn er festangestellt ist, solche Impulse weitergibt", dann meint Götz, "ist schon viel erreicht".