„Darf ich nächstes Jahr wieder mitmachen?“

Die Zukunftsinitiative altmühlfranken stärkt mit der „AzubiWerkstatt“ die Wirtschaft in der Region. Interview mit Greta Weisenseel

Greta Weisenseel

„Darf ich nächstes Jahr wieder mitmachen?“

Der zweite Durchgang „AzubiWerkstatt“ ist für alle ein Erfolg: Die Ausrichter, die Unternehmen und die Azubis

Nun ist’s schon das zweite Mal im Gange, das Format „AzubiWerkstatt“, das von der Zukunftsinitiative altmühlfranken erstmalig 2017 ins Leben gerufen wurde. Beim Piloten waren es insgesamt sechs Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, jetzt, beim zweiten Durchlauf (von Herbst 2017 bis in den Sommer 2018 hinein) sind es schon zehn Kurse für Auszubildende in der Region, die jeweils einmal im Monat angeboten werden. Nahmen beim ersten Durchlauf 12 Unternehmen mit 58 Azubis teil, so sind es diesmal bereits 18 Unternehmen mit 72 Azubis. Die Azubis, die hier teilnehmen, werden von ihren Unternehmen für die Seminare freigestellt und erhalten im Abschluss ein Zertifikat.

Im Dezember 2017 hat die GUTMANN ALUMINIUM DRAHT GmbH (GAD) zwei Tage ausgerichtet, mit dem Thema „Selbstständig denkender Mitarbeiter“. GAD zeigt mit der aktiven Teilnahme sein Interesse und seine Bereitschaft, die Wirtschaft in der Region zu stärken, das Zukunftsthema Bildung mit voranzubringen und zur Verknüpfung von Wirtschaft und Bildung beizutragen. Die Redaktion der GAD-Website zieht gemeinsam mit Greta Weisenseel eine kleine Zwischenbilanz: Was ist bislang erreicht worden? Welche Erlebnisse haben sich besonders eingeprägt? Weisenseel ist bei der Zukunftsinitiative altmühlfranken zuständig für „Bildung und Familie“ und zeichnet verantwortlich für die Organisation des Formats „AzubiWerkstatt“. Weisenseels schönstes persönliches Erlebnis sei hier schon vorweggenommen: „Dass nach ihrem erstem Werkstatterlebnis ein Mädchen so begeistert war, dass sie gleich fragte: ‚darf ich nächstes Jahr wieder mitmachen?‘“

 

Durch Zusammenhalt Wirtschaftskraft der Region stärken

Frage: Frau Weisenseel, was können und müssen Unternehmen tun, um am Format „AzubiWerkstatt“ teilzunehmen? Gibt’s da auch finanzielle Verpflichtungen?

Weisenseel: Das ist ein kostenloses Format für alle, also für die Unternehmen und für deren Azubis. Wir halten für Unternehmen (die zu klein sind, um eine Veranstaltung in der eigenen Firma auszurichten), Räumlichkeiten vor; in diesem Fall dann auf dem Kunststoffcampus. Bei GAD gibt es ja den großen Begegnungsraum, deswegen fand dieses zweitägige Seminar, auch auf Wunsch von GAD, in diesem Fall dort statt.

Frage: Wer denkt sich eigentlich die Seminarthemen aus? Sie oder die Unternehmen?

Weisenseel: Wir entwickeln das gemeinsam im Rahmen der Auftaktveranstaltung. Es werden erstmal alle Ideen gesammelt, auf einem Flipchart aufgezeichnet und dann mit Wunschpunkten beklebt. Diejenigen mit den meisten Punkten kommen in die engere Auswahl, bis dann für den aktuellen Durchlauf für jeden Monat ein Thema gesetzt ist. Dieses Mal haben wir zehn Themen.

Frage: Wenn ein Unternehmen einen Vorschlag macht, ist es dann auch daran gebunden, das selbst durchzuziehen?

Weisenseel: Nein, das machen wir von der Zukunftsinitiative den Unternehmen gleich deutlich. Ihr müsst ein Thema, das Ihr gern für Eure Azubis hättet, nicht selbst besetzen. Vielleicht hat ein anderes Unternehmen da mehr Möglichkeiten, das umzusetzen. Wir wollen bei der Ideensammlung erstmal frei assoziieren und keinen Druck in der Art erzeugen, wenn ich etwas vorschlage, muss ich das auch selbst umsetzen.

Frage: Hat die gemeinsame Planung der Seminare Einfluss auf das Miteinander der Unternehmen in der Region. Etwa, dass ein Unternehmen Azubis aus einem anderen übernimmt? Ich denke da an den so viel beschworenen Fachkräftemangel, wo eine Antwort ja sein könnte, dass Azubis eines Unternehmens von einem anderen übernommen werden, vorausgesetzt, es ist eine ähnliche Branche.

Weisenseel: Ob sich unser Format auch auf diese Art eines Unternehmensnetzwerkes auswirkt, kann ich nicht sagen. Vielleicht ergibt sich hier ja mittelfristig etwas in der Art. In jedem Fall sind die Unternehmen durch die „AzubiWerkstatt“ aber bereits im Austausch. Es müssen Berufsschulzeiten einkalkuliert werden und es muss abgestimmt werden, welches Unternehmen wie viele Azubis entsenden kann. Gerade für kleine Unternehmen, die so etwas nie selbst organisieren könnten, ist die Ausgewogenheit wichtig. Ist ein Unternehmen sehr groß, etwa mit rund 40 Azubis, würde das die Plätze für Unternehmen mit nur einem Azubi wegnehmen. Solch ein Unternehmen könnte und sollte eine Fortbildung in dieser Art eigentlich unternehmensintern organisieren. Andererseits kann unser Format für ein großes Unternehmen auch als Inspiration und Vorlage dienen. Darum haben wir gemeinsam mit allen beteiligten Unternehmen eine Lösung gefunden: Ein großes Unternehmen aus unserer Region schickt eine kleine Anzahl Azubis, aus deren Erfahrungen dann das große Unternehmen etwas Eigenes entwickeln kann. Insgesamt denke ich schon, dass unser Format durch diesen Zusammenhalt auch die Wirtschaftskraft der Region stärkt.

 

Positiv überrascht, wie die jungen Menschen mitarbeiten

Frage: Gibt es feste Gestaltungsrahmen für die Seminare?

Weisenseel: Es gibt eine grundsätzliche Vorgabe: Keinen Frontalunterricht! Dass die Azubis aktiv mitmachen, dass das Ganze also eher Workshop-Charakter hat, ist ein Grundmerkmal.

Frage: Und inhaltlich?

Weisenseel: In diesen Seminaren wird keine branchenbezogene Fachkompetenz vermittelt. Hier geht es vorrangig um Sozialkompetenzen und um branchenübergreifendes Wissen; Sie sehen das an der Themenvielfalt (s. Bild).

Frage: Welche Erfahrungen haben die Referenten bislang gesammelt?

Weisenseel: Ein Referent, der sonst nur Erwachsenenbildung macht und vorher schon etwas skeptisch war, meldete uns zurück, er sei absolut positiv überrascht, wie die jungen Leute ins Arbeiten gekommen seien.

 

Selbstbewusstsein trainieren und Vorurteile überwinden

Frage: Wirkt sich das Format „AzubiWerkstatt“ eigentlich auf das Miteinander der Azubis aus?

Weisenseel: Ja, da gibt es dann im Lauf der Monate verstärkt Gruppen, die sich zusammentun. Was mir aber ganz wichtig ist, dass auch Vorurteile abgebaut werden. Ein Jugendlicher sagte mir hinterher, Krankenschwestern seien ja gar nicht so ‚doof‘ wie er immer gedacht hätte. Das ist doch etwas Schönes, finde ich!

Frage: Wie sind denn so die Reaktionen der Azubis auf die Inhalte?

Weisenseel: Was mich schon mal sehr freut, bisher gab es nicht einen einzigen Azubi, der auch nur eines der Seminare ‚doof‘ gefunden hätte.

Frage: Wie selbstbewusst sind die Azubis in diesen Seminaren?

Weisenseel: Der Großteil ist zwischen 15 und 19 Jahre alt. Es gab auch schon Ältere, so um die 20 herum – und das hat sich positiv ausgewirkt. Denn die Älteren hatten keine Scheu, sich vor der Gruppe zu äußern, das ist dann Ermunterung auch für die Jüngeren: „ich kann mich hier ja äußern, ohne dass das negative Folgen für mich hätte.“

Frage zum Abschluss: Dass Azubis Lust haben, an einem zweiten Fortbildungsdurchlauf teilzunehmen, spricht ja für die Güte Ihres Angebots und natürlich freut Sie das. Aber wie gehen Sie mit so einem Wunsch dann praktisch um? Denn Sie müssen ja auch immer darauf achten, dass möglichst viele Azubis aus der Region die Chance bekommen, hier teilzunehmen.

Weisenseel: Das steht immer im Vordergrund, ja. Wenn die Anzahl der Seminare, die Fülle der Themen und die Anzahl der Anmeldungen alles zusammen eine zweite Teilnahme einzelner Azubis möglich machen, warum nicht? Wir freuen uns, wenn dieses Angebot auf solche Begeisterung stößt; im aktuellen Durchlauf haben wir sieben Azubis dabei, die auch schon beim Piloten mitgemacht haben.

Alle Fotos: Copyright genehmigt Zukunftsinitiative altmühlfranken